Wenn ich mich zeige, verliere ich meine Zugehörigkeit
Die eine oder andere Verhaltensweise, die sich während unseres Urlaubs zeigte und auch manchmal zu Unmut führte, brachte uns beide dazu, noch einmal über die Ursprünge unseres Verhaltens nachzudenken. Meine Freundin erzählte aus ihrer Familie, in der es mehrere Geschwister gab. Da ich ein Einzelkind bin und das Zusammenleben mit Geschwistern nicht erlebt habe, ist es für mich immer besonders spannend zu hören, wie sich ein Geschwisterkind in einer Großfamilie fühlt und was es da zu erleben gibt.
Wenn du dich zeigst, verlierst du deine Zugehörigkeit.
Dieser Satz ist vielleicht zunächst schwer zu verstehen. Anhand der Geschwisterdynamik ist er jedoch leicht zu erklären: Ein antrainiertes Verhalten meiner Freundin war zum Beispiel, sich in der Großfamilie immer zurückzunehmen, das heißt:
- nicht auffallen,
- immer schön ruhig und brav sein,
- nichts tun, was die Eltern aufregt, denn sie sind sowieso überfordert,
- alles teilen müssen,
- am Tisch das Gefühl haben, immer zu wenig zu bekommen,
- das Gefühl haben, auch zu wenig Liebe zu bekommen,
- zu wenig Aufmerksamkeit
- und bitte nichts tun, was auffällig ist.
Sie hatte gelernt, dass es besser ist,
- sich selbst nicht zu zeigen,
- die eigenen Wünsche nicht zu benennen,
- nicht laut zu sein, um die Mutter nicht noch mehr aufzuregen,
- sich immer und überall zurückzunehmen,
- sich anzupassen, um in der Familie bleiben zu können.
Das Gefühl, das dadurch entsteht, ist: Wenn ich mich zeige, werde ich einsam und allein sein.
Deshalb passe ich mich lieber an, um dazuzugehören.
Wir alle haben die tiefe Sehnsucht, dazugehören zu wollen. Das betrifft alle Bereiche unseres Lebens: die Nachbarschaft, die Kollegen und Kolleginnen im Beruf, die Clique, das Dorf, die Sportgruppe ... Man könnte diese Aufzählung beliebig fortsetzen. Wichtig ist es, zu verstehen, dass es immer um das Gefühl der Zugehörigkeit geht.
Diese Geschwisterdynamik, die ein Verhaltensmuster fördert, das uns auf die Dauer nicht gut tut, wird in einer Familienaufstellung besonders deutlich. In einer Aufstellung, in der mehrere Geschwister eine Rolle spielen, geht es oft um Neid, Missgunst, versteckte Aggressionen und so weiter.
Diese Gefühle sitzen tief in uns und prägen uns bis heute. Deshalb ist es so wichtig, den Ursprung der Gefühle zu erkennen und loszulassen, und genau das ist der Grund, warum mir die Familienaufstellungen in den letzten Jahren so wichtig geworden sind. Wenn du dir deine eigene Geschwisterkonstellation anschaust, erkennst du vielleicht einiges von dem wieder, was ich zuvor genannt habe. In der Regel spüren wir Menschen genau, was uns antriggert, das heißt, was uns berührt.
Ich würde gerne die nächste Familienaufstellung unter das Thema Geschwisterkonstellationen und Geschwisterdynamiken stellen.
Vielleicht hast du auch schon einen Bruder oder eine Schwester durch den Tod verloren – auch das berührt uns in tiefer Weise und kann alte Gefühle noch einmal hervorholen.
Wenn dieser Text dich anspricht und du dich von meinen Worten berührt fühlst, lade ich dich ein, an der nächsten Familienaufstellung teilzunehmen.
Bist du dir noch unsicher? Dann kannst du mich jederzeit gerne anrufen, mir deine Situation erklären und wir können gemeinsam überlegen,
ob die Aufstellung das Richtige für dich ist.
Herzlichst
Barbara
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